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Familie Haugwitz und Musik
Das Schloss in Náměšť nad Oslavou wurde am Ende des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – damals war es im Besitz des Geschlechtes von Haugwitz – zu einem bemerkenswerten Zentrum des Musiklebens. Seine Bedeutung ging nicht nur über das Gebiet des westlichen Mährens hinaus. Die Domäne von Náměšť wurde in ihrer Zeit zu einem bekannten „Musikzentrum“ in ganz Mitteleuropa. Die bedeutendste Rolle spielte in diesem Sinn Heinrich Wilhelm III. von Haugwitz (30.5.1770 bis 19.5.1842).
Kurz danach, als er im Jahre 1794 die Domäne von Náměšť zu verwalten begann, begründete er hier einen im Rahmen seiner Zeit außergewöhnlichen Klangkörper. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte seine Schlosskapelle mehr als 30 Instrumentalisten und der Chor hatte damals 9 Solisten und 24 Choristen. Die Mehrheit dieser Musiker bildeten die Dienstpersonen des Schlosses. Haugwitz entließ sogar einige der Diener, die kein Instrument spielen konnten, und ersetzte sie durch andere. Die Kapelle ergänzten dann Kantoren und Musikanten aus der mehr oder minder entfernten Umgebung. Der Klangkörper war nicht nur für die große von Musikern bemerkenswert, sondern auch für den Umfang des Repertoires und für die künstlerische Qualität des Klangkörpers. Außerdem hat Haugwitz auf dem Schloss eine umfangreiche Sammlung von mehr als 1.400 Kompositionen von verschiedenen Autoren gesammelt. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass zu den persönlichen Freunden des Grafen auch der Komponist Antonio Salieri (1750 bis 1825) gehörte. Er sollte Náměšť besuchen und er hat dem Eigentümer der Domäne sein Requiem gewidmet, das in der Schlosskapelle seine Premiere hatte. Salieri hat zum Geburtstag des Grafen eine „Gratulationskantate“ komponiert und er hat der Komtesse von Haugwitz sein „Scherzi armonici“ gewidmet.
Außerdem pflegte Haugwitz Freundschaft mit Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787), den er schon als Student kennengelernt hatte. Musikalische Produktionen waren auf dem Schloss in der Zeit des größten Ruhms der Kapelle sehr häufig. In einer Woche konnte sogar dreimal musiziert werden. Es wurden nicht nur die Räume im ersten Stock des Gebäudes ausgenutzt, sondern auch die ehemalige sala terrena, die heutige Bibliothek und die Schlosskapelle. Theater-, Oratorium- und Opernvorstellungen wurden auch in der nicht weit entfernten Sommerresidenz im Schloss Schönwald bei Jinošov organisiert. Der beliebteste und im Schloss am häufigsten gespielte Komponist war während der Verwaltung der Domäne von H. W. Haugwitz – besonders in den Jahren 1820 bis 1840 – Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759). Der Graf hat nicht nur die gesammelte (leider unvollendete) Edition der Händels Werke von dem Komponisten und Theaterdirektor Samuel Arnold gekauft – wobei diese Edition in seiner Zeit außergewöhnlich reich war – sondern er selbst hatte sie noch um weitere 51 Abschriften und 3 Reproduktionen des Autors erweitert. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die meisten dieser Kompositionen in Náměšť auch aufgeführt wurden. Der Graf selbst hat Librettos von Händels Kompositionen übersetzt und hat auch Partituren bearbeitet, damit sie den Fähigkeiten und Möglichkeiten – besonders in Bezug auf die Instrumente, die seine Kapelle zur Verfügung hatte – entsprachen. Bemerkenswerte Musikwerke stammen auch von Bohumír Riegr, dem Haugwitz` Kapellmeister, der dem Haugwitz außer anderen Kompositionen auch „An die Musik“ gewidmet hat. Auch der Nachfolger des Grafen Heinrich, Karl Wilhelm II von Haugwitz (1797 bis 1874) war – was Musik betrifft – eine interessante Person. Er hat die Sammlung von Musikalien in Náměšť erweitert und außerdem war er auch Autor einer ganzen Reihe von Kompositionen. Er interessierte sich allerdings für Kompositionen, deren Charakter leichter, für Salons geeigneter war. Karl Wilhelm hat leider auch zugelassen, dass die Schlosskapelle zerfallen ist. Das Schloss in Náměšť ist auch in der Gegenwart ein Ort, wo Konzerte regelmäßig veranstaltet werden, und damit fährt es in der reichen und bedeutenden Musiktradition fort, die hier von den ursprünglichen Eigentümern gegründet wurde.
Im Jahre 2002 wurde auf dem Schloss in Náměšť ein Musikologisches Symposium veranstaltet, das die Musiktradition in Náměšť fokussiert hat.





